Förderklassen Sprache

Zurzeit werden in den 5 Förderklassen Sprache 46 Schülerrinnen und Schüler zeitdifferent nach Grundschulcurricula unterrichtet und therapiert. Die Fächer Kunst, Werken, Musik und Sport werden integrativ in Form des Teamteaching mit einer Grundschulklasse unterrichtet. Den Unterricht erteilen überwiegend Förderschullehrkräfte mit dem Schwerpunkt Sprache. Die Klassen 1 und 2 werden zweizügig geführt. Einige Schüler wechseln bereits nach 2 Schulbesuchsjahren in ihre zuständige Grundschule. Aus den verbleibenden Schülern der beiden zweiten Klassen wird die 3. Klasse gebildet.

Kooperation mit Sprachheileinrichtungen: Die Förderklassen Sprache arbeiten eng mit der AWO-Weser-Ems zusammen. Die AWO hält Sprachheilinternate und Sprachheilkindergärten vor, die die Schülerinnen und Schüler aus den Förderklassen Sprache bereits besucht haben oder vorübergehend besuchen. Ferner bietet die AWO den Lehrkräften die Möglichkeit zur Teilnahme an qualifizierten Sprachheilfortbildungen.

Seit dem Schuljahr 1993/94 ist die Grundschule Bürgeresch eine Grundschule mit Förderklassen für Schüler mit erheblichem Förderbedarf Sprache aus dem gesamten Stadtgebiet Oldenburg. Bis zum Schuljahr 96/97 wurden die Förderklassen auf insgesamt drei Jahrgangsklassen mit bis zu je 14 Schülern aufgestockt.

Das 2005 modifizierte Förderklassenmodell der Zweizügigkeit im 1. und 2. Schulbesuchsjahr zielt darauf ab, dem Anspruch einer Durchgangsschule gerechter zu werden und nun einen Teil der Schüler bereits nach dem zweiten Schulbesuchsjahr in die zuständigen Grundschulen zurück überweisen zu können. Die einwöchige Hospitation in der zweiten Hälfte des zweiten / dritten Schuljahres hat sich als sehr effektiv und schülerzentriert erwiesen.

Die dann im dritten Schuljahr verbleibenden Schüler werden in der Klasse 3 SR zusammengefasst und weiterhin überwiegend von Förderschullehrkräften unterrichtet (vgl. Ausnahme Mathematik). Das Modell 2005 bietet bei eventuell sinkenden Schülerzahlen die Möglichkeit, freiwerdende Lehrerstunden in den Mobilen Dienst Sprache einbinden zu können.

Die Schüler werden von Förderschullehrkräften (Fachrichtung Sprache) drei Jahre unterrichtet und therapiert. Während dieser Zeit sollen die sprachlichen Defizite abgebaut und die Inhalte der ersten zwei Grundschuljahre vermittelt und die entsprechenden Lehr- und Lernziele erreicht werden. Die Schüler haben also ein zusätzliches Jahr, um diese Ziele der Regelgrundschule zu erreichen. Nach zwei bzw. drei Jahren werden diese Schüler dann zur wohnortnahen Grundschule überwiesen und dort weiter unterrichtet, wenn ein erfolgreicher Besuch der Grundschule zu erwarten ist. Ist ein veränderter sonderpädagogischer Förderbedarf (im Bereich Lernen) feststellbar, so erfolgt eine Überweisung in die Förderschule (mit dem Schwerpunkt im Bereich Lernen).

Die Beschulung stellt in der Regel also eine Zwischenstation in der Schullaufbahn der Schüler mit dem Förderbedarf Sprache da, sie sollen ihre sprachlichen Defizite abbauen können und befähigt werden, erfolgreich am Unterricht einer Grundschule teilnehmen zu können.

Die Beschulung in den Förderklassen Sprache erschließt den rücküberwiesenen Schülern die Möglichkeit, nicht nur Laufbahnempfehlung für die HS oder RS sondern auch für das Gymnasium zu erhalten. Dieses wäre ohne den Besuch der Förderklassen Sprache kaum möglich gewesen.

Um eine optimale Förderung dieser Kinder während des Schulbesuchs in den Förderklassen zu erreichen, ist es unbedingt erforderlich die hervorragende Verbindung von Förderklasse Sprache und Grundschule in einem Haus entsprechend zu gestalten:

  • Der Unterricht findet nicht nur in der Förderklasse Sprache statt, sondern auch teilintegrativ in der altersgemäßen Grundschulklasse in den Bereichen Sport, Kunst, Werken, Textiles Gestalten und klassenübergreifenden Arbeitsgemeinschaften. In der Klasse 3 SR findet der teilintegrative Unterricht auch noch im Fach Musik statt.
  • Kinder der Förderklassen Sprache nehmen im Fach Mathematik am Unterricht der Grundschulklasse teil, wenn sie die dazu erforderlichen Voraussetzungen haben und diese Maßnahme organisatorisch möglich ist.
  • Kooperationsbereitschaft der beteiligten Kolleginnen und Kollegen. Alle profitieren von dieser Verzahnung von Grundschule und Förderklasse. (Präventivmaßnahmen für Kinder aus dem Grundschulbereich mit möglicherweise vorliegendem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lernen durch Lehrkräfte der Förderklassen Sprache.)
  • Übernahme des Mathematikunterrichts in der 3. Förderklasse durch eine Grundschullehrkraft.
  • Förderunterricht Sprache für sprachauffällige Kinder aus dem Grundschulbereich.

Sonderpädagogischer Förderbedarf Sprache

Schüler, die die Förderklassen Sprache der Grundschule Bürgeresch besuchen, sind aufgrund verschiedener und unterschiedlicher Faktoren in ihrer Entwicklung beeinträchtigt und / oder verzögert, wobei sich der Förderbedarf primär auf der sprachlichen Ebene zeigt.

Auffälligkeiten in den Bereichen der Lautbildung, des Erwerbs eines altersgemäßen Wortschatzes bzw. einer normgerechten Grammatik und des Redeflusses stellen dabei Teilaspekte einer umfänglichen Kommunikationsstörung dar, die sowohl die Sprachwahrnehmung, als auch die Sprachverarbeitung betreffen und vornehmlich in der Sprachproduktion ihren Ausdruck finden.

Da die Entwicklung der individuellen Persönlichkeit auf die Kommunikation angewiesen ist, stellen Störungen der Kommunikation entwicklungshemmende Faktoren für viele weitere Teilbereiche der Persönlichkeitsentwicklung dar, auf die Rücksicht genommen werden muss bzw. für die individuelle Entwicklungsimpulse gegeben werden müssen.

Dementsprechend ergibt sich für Schüler, für die besonderer Förderbedarf Sprache festgestellt wurde, neben den jeweiligen sprachtherapeutischen Erfordernissen die Notwendigkeit der unterstützenden Förderung in weiteren Entwicklungsbereichen (so z.B. in der motorischen, emotionalen, sozialen Entwicklung) und der intensiven Elternarbeit.

Im schulrelevanten Bereich findet vor allem auch der Schriftspracherwerb und die Beherrschung des Zahlenraums unter erschwerten Bedingungen statt und erfordert besondere Beachtung.

Dabei helfen u.a. Kenntnisse der neueren Hirnforschung, entsprechend derer bei Kindern mit Förderbedarf Sprache häufig eine Dominanz der rechten Hemisphäre vorliegt und die Wahrnehmungsrichtung (entgegen der normativ festgelegten Wahrnehmungsrichtung) von rechts nach links ausgerichtet ist und somit von besonderen Lernvoraussetzungen ausgegangen werden muss.

Eine punktuelle Auflistung belegt die oben gemachten Aussagen:

  • Lateralitätsproblem Auge-Hand-Fuß: gleiche oder unterschiedliche Ausrichtung? Auch Unterschiede beim Schreiben-Essen-Fangen; Stehen-Springen-Schießen (Ball)
  • Linkshänder/Verkappter Linkshänder
  • Verkehrte Legerichtung der farbigen Stäbe
  • Gegensätzliche Orientierung am Zahlenstrahl
  • spiegellbildliches Schreiben der Ziffern
  • Vertauschen von b und d
  • Stellenwertprobleme
  • Auditive Wahrnehmung und Verarbeitung
  • Einschränkungen im semantischen Bereich (Wortschatz/ Lexikon)
  • Aufgabenverständnis….

Personelle und schulorganisatorische Voraussetzungen

Das unter einem Dach gemeinsame zeitdifferente und auch integrative Unterrichten von Schülern mit unterschiedlichen Lern- und Leistungsvoraussetzungen baut auf Vertrauen und Akzeptanz bei den Lehrkräften unterschiedlicher Fachrichtungen. So müssen die Förderschullehrkräfte häufiger als oftmals in gemeinsamen Planungen besprochen, Umbesetzungen im Klassenunterricht oder in der Therapie flexibel nach den Schülerbedürfnissen gestalten. Diese Eigenständigkeit und Notwendigkeit zur Flexibilität in den Förderklassen hat sich über Jahre hinweg allmählich aufgebaut und sich so in der Dualität mit der eng vernetzten Grundschularbeit zu einem eigenverantwortlichen System mit gleicher Zielrichtung unter der Grundschulleitung entwickelt.

Schon nach wenigen Jahren der Zweizügikeit im Bereich der Förderklassen Sprache können die damit verbundenen schulorganisatorischen Belange für die zukünftige Arbeit und für das Profil der Grundschule Bürgeresch mit Förderklassen Sprache festgeschrieben und als verbindlich angesehen werden.

Der über einen längeren Zeitraum auf- und ausgebaute Mobile Dienst Sprache sollte unter Berücksichtigung der Grundversorgung der Förderklassen weithin Bestandteil der wohnortnahen Beschulung sein.