Schulen fehlt es an Räumen und Personal

Quelle: Aus der NWZ vom 03.12.2015

Flüchtlinge In Oldenburg

Schulen fehlt es an Räumen und Personal

Der Zahl der schulpflichtigen Flüchtlingskinder ist auf 450 gestiegen. Die Einrichtung von weiteren Sprachlernklassen gestaltet sich schwierig.

Oldenburg Oldenburgs Schulen sehen sich einer rasant wachsenden Zahl schulpflichtiger Flüchtlingskinder gegenüber. Derzeit nehmen rund 450 Kinder und Jugendliche am Unterricht (inklusive Berufsschulen) teil – Anfang Oktober waren es noch 366 gewesen.

14 Sprachlernklassen

Aktuell gibt es 14 Sprachlernklassen, in denen Kinder mit kaum oder gar keinen Deutschkenntnissen auf den Unterricht in Regelklassen vorbereitet werden: fünf an Grundschulen (Hogenkamp, Kreyenbrück, Haarentor, Dietrichsfeld und Bürgeresch), sechs an Oberschulen (jeweils eine Klasse in Osternburg und an der Alexanderstraße, jeweils zwei in Ofenerdiek und Eversten) sowie drei an der Berufsbildenden Schule Haarentor. Ein Ende ist nicht in Sicht: „Der Bedarf steigt weiter“, sagte Schulamtsleiter Matthias Welp am Dienstag im Schulausschuss.

Die Stadt reagiert darauf mit der Einrichtung weiterer Sprachlernklassen – und das teilweise auf unkonventionelle Art, wie Welp berichtete: „Wir müssen schnell reagieren, wir schauen von Woche zu Woche.“ So kann es passieren, dass an der Grundschule Bürgeresch plötzlich 16 Kinder aufgenommen und die Räumlichkeiten des Horts jetzt vormittags von der eiligst eingerichteten Sprachlernklasse genutzt werden.

Zum zweiten Schulhalbjahr soll an der Oberschule Osternburg eine zweite Sprachlernklasse geschaffen werden – mit Blick auf die Räumlichkeiten werde eine einvernehmliche Lösung gesucht, sagte Welp. Eine dritte Klasse sei an der Oberschule Eversten angedacht. Aufgrund des hohen Bedarfs für Schülerinnen und Schüler im Sekundarbereich II reicht das Angebot der BBS Haarentor nicht mehr aus. Aktuell führt die Stadtverwaltung Gespräche mit allen Berufsbildenden Schulen, um weitere Sprachlernklassen einzurichten.

Start am NGO verschoben

Darüber hinaus war geplant, zum 1. Februar erstmals an einem Gymnasium eine Sprachlernklasse zu bilden. „Wir sind mit dem Neuen Gymnasium und dem Sprachbildungszentrum Oldenburg im Dialog“, sagte Welp. Auch das Gymnasium Eversten habe Bereitschaft signalisiert. Weil es sich schwierig gestalte, adäquates Personal zu finden, habe man vom angepeilten Starttermin jedoch erst einmal wieder Abstand genommen. Welp: „Wir brauchen für die Gymnasien etwas mehr Planungszeit.“ NGO-Leiterin Katrin Wutschke wies darauf hin, dass sie nicht über eine einzige Lehrkraft mit DAZ (Deutsch als Zweitsprache)-Abschluss verfüge. Zudem gebe es räumliche Probleme: Schon jetzt sei eine Klasse im Container untergebracht, eine weitere sei eine Wanderklasse. Angesichts der Zahlen – derzeit bekommt Oldenburg jede Woche 40 neue Flüchtlinge zugewiesen, ab Februar sollen es knapp 60 wöchentlich sein – könne man bei der Raumsuche nicht wählerisch sein, mahnte Dezernentin Dagmar Sachse.

Die – ohnehin überlaufenen – Integrierten Gesamtschulen bleiben (noch) außen vor: „Wenn Plätze für ganze Klassen geblockt werden, könnten andere Eltern sich einklagen“, befürchtet Schulamtsleiter Welp.

Auf eine schnellere Einrichtung von Sprachlernklassen an Gymnasien drängen weiterhin SPD, Grüne und Linke. „Wir hatten auf das zweite Halbjahr gehofft“, zeigte sich Sozialdemokratin Gesine Multhaupt enttäuscht.

→ Flüchtlingssituation 03.12.15
Anmerkung: Der Artikel enthält einen inhaltlichen Fehler. Wir (die Grundschule Bürgeresch) richten (zunächst) keine Sprachlernklasse ein, sondern beschulen die Flüchtlingskinder zur Zeit teilintegrativ.